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SPD Berlin Alexanderplatz

Tempelhofer Feld

Was wir vom Tempelhofer Feld lernen müssen

Autor: Yannick Haan, Mai 2014

Trotz einer großangelegten Kampagne und guter Argumente für eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes, hat sich am 25. Mai 2014 eine recht deutliche Mehrheit der Berliner für den Vorschlag der Initiative "100 % Tempelhofer Feld" entschieden.

Diese Initiative hat sich dafür eingesetzt, dass das Tempelhofer Feld in keiner Weise bebaut oder verändert werden darf. Eigentlich eine recht absurde Idee per Gesetz zu verbieten auf einem Feld überhaupt auch nur eine Bank hinstellen oder einen schattenspendenden Baum pflanzen zu dürfen. Und doch hat eine Mehrheit der Berliner für diesen sehr weitgehenden Vorschlag gestimmt. Nun ist es immer müßig zu spekulieren warum die Menschen so abgestimmt haben und doch kann man aus dieser Abstimmung für die Zukunft der Stadt und gerade auch der Stadtentwicklungspolitik viel lernen.

Es gibt kaum einen anderen Ort der so stark vernetzt ist wie der urbane Raum. Durch die hohe Bevölkerungsdichte, einer meist recht jungen Durchschnittsbevölkerung sowie dem schnellen Aufnahmen gesellschaftlicher Entwicklungen spürt man die Konsequenzen der Digitalisierung und der Vernetzung in den Städten auf besondere Art und Weise. Doch die aktuelle Stadtentwicklungspolitik hat darauf bislang nicht reagiert. Immer noch bestehen die Konzepte größtenteils aus Stadtteilvertretungen und Bürgerversammlungen. Falls Online-Partizipation eingesetzt wird, versucht man nicht die Chancen des Mediums zu nutzen sondern die Wege der Politik zu kopieren und online stattfinden zu lassen. Am Ende macht bei solchen Prozessen kaum ein Bürger mit. Auch beim Tempelhofer Feld gab es im Vorfeld eine Online-Partizipation bei der weniger als 1.000 Menschen mitgemacht haben. Bis heute ist unklar inwieweit und wie die Ergebnisse dieser Online-Partizipation in den politischen Prozess eingeflossen sind.

Durch die vernetzte Stadt können wiederum so genannte Grass-Roots Organisationen, also Organisationen die aus der Basis der Bevölkerung entstehen, wie sie 100% Tempelhofer Feld war, die Leute oft besser erreichen als beispielsweise große Kampagnen des Senats oder von Parteien. Auch große Vereine, Wohnungsbaugesellschaften oder der Sportbund schaffen es nur noch sehr bedingt die vernetzte Gesellschaft adäquat anzusprechen. Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen. Zukünftig werden vor allem politische Kampagnen erfolgreich sein die die Vernetzung verstanden haben und diese gezielt nutzen um für ihr Anliegen zu werben.

Das Internet bietet die Chance zu einer partizipativen Stadt. Die technischen Möglichkeiten und die neuen digitalen Öffentlichkeiten bieten die Chance zu einzigartigen Interaktions- und Teilhabemöglichkeiten. Diese Möglichkeiten wurden bislang kaum oder nur sehr zaghaft wahrgenommen. Die Abstimmung um das Tempelhofer Feld hat gezeigt, dass es Zeit wird diese Chancen endlich zu nutzen. Es wird Zeit, dass wir in der Stadtentwicklung endlich auf die vernetzte Gesellschaft reagieren. Falls wir dies nicht tun wird es immer schwerer in der Stadt Veränderungen voranzubringen. Das kann man aktuell landauf – landab in vielen Städten und an vielen Beispielen beobachten.

Doch aus dem Volksentscheid kann man noch mehr lernen: anscheinend wird es immer schwerer ordentliche politische Debatten über Sachfragen zu führen. Im Kern ging es beim Streit um die Zukunft des Tempelhofer Feldes um die Frage ob der Fokus auf die Lebensqualität in der Stadt gesetzt wird oder man aktiv gegen die stark steigenden Mieten in Berlin vorgeht. Ich glaube, dass beide Seiten gute Argumente hatten. Anstatt diese auszutauschen gingen beide Seiten oft unfair miteinander um. Die eine Seite bestand nur aus Egoisten die nur an ihren eigenen Vorteil denkt und die andere Seite bestand nur aus Zubetonierern die sich für die Belange von Investoren einsetzt. Dabei sollte es uns doch eigentlich freuen wenn eine Stadtbevölkerung aktiv und engagiert über die Zukunft dieser Stadt debattiert. Und das Tempelhofer Feld hätte eigentlich auch eine bessere Debatte verdient gehabt.

Die Abstimmung hat zudem gezeigt, dass durch das aktuelle Wahlrecht ein großer Teil der Berliner und gerade der Kreuzberger und Neuköllner Bevölkerung ausgeschlossen wird. Bei der Abstimmung durfte nur mitstimmen wer im Besitz eines Deutschen Passes ist. Dabei betrifft diese Entscheidung doch alle Berliner. Dann sollten auch alle Berliner die Möglichkeit haben über diese Frage abzustimmen.

Für uns als SPD ist es natürlich bitter wenn sich die Bevölkerung am Ende gegen unseren Vorschlag der Randbebauung entschieden hat. Es ist vor allem bitter wenn man Bündnisse schmiedet, monatelang für die eigene Position wirbt und trotzdem scheinbar nicht durchdringt. Doch diese Abstimmung könnte auch ein Weckruf sein für eine neue Politik in der vernetzen Stadt.

 
 
 

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